An der Liebfrauen Schule Köln haben wir, die Schülerinnen und Schüler des Projektkurses MINT@school, eine Forschungssonde an einem Wetterballon in die Stratosphäre geschickt.
Wir konnten am 29.04.2026 nach sehr langer Zeit und harter Arbeit unser besonderes naturwissenschaftliches Experiment starten lassen: Unseren Wetterballon. Dieser war mit Experimenten und wissenschaftlichen Messinstrumenten ausgestattet und ist auf 35.618 Meter in die Stratosphäre aufgestiegen.
In unserer wöchentlichen Freitagsstunde haben wir uns ein halbes Jahr lang ausgiebig auf diesen Tag vorbereitet. Von ersten Konzepten über den physischen Bau unserer Sonde bis hin zu spezifischen Analysen der mathematischen Simulation unseres Fluges: Jedes Detail musste geplant und bedacht werden. Auch mögliche Experimente, welche mit Hilfe unserer Forschungssonde durchgeführt werden sollte, mussten diskutiert und ausprobiert werden.
Als unser Lehrer, Herr Termaat, uns diese Idee von einem Wetterballon im Kurs präsentiert hatte, waren wir zwar alle schnell begeistert, jedoch war die konkrete Umsetzung des Projektes zuerst sehr abstrakt: Würde es UNS möglich sein, dieses Projekt zu realisieren? Würden WIR es schaffen eine Sonde zu bauen, welche es tatsächlich bis in die Stratosphäre schafft?
Wie Sie nun bereits wissen, und die Fotos zeigen: Ja! WIR haben es wahrhaftig geschafft, dieses Projekt in die Tat umzusetzen. Wir möchten im Folgenden davon berichten, wie wir das Projekt realisiert und umgesetzt haben:
Die ersten Monate der Vorbereitung waren noch eher theoretisch geprägt: Ozonschichten, Luftdruck, Windzirkulation und Luftfahrgesetze, etc. All diese Aspekte waren Gegenstand unserer ersten Recherchen. Erst als diese Fakten jedem Einzelnen von uns geläufig waren, war es überhaupt denkbar, in die praktische Planung überzuleiten. Für uns war klar, es mussten einige Bedingungen erfüllt sein: Die Sonde musste leicht, stabil und vom Gewicht her ausgeglichen ausbalanciert sein. Die instabile Technik musste sicher verbaut werden, um den freien Fall und den Aufprall zurück auf die Erde überstehen zu können.
In den letzten Tagen vor dem geplanten Start wurde es bei uns noch einmal richtig hektisch. Die zuvor so theoretischen Überlegungen mussten plötzlich in die Praxis umgesetzt werden. Unsere Experimente mussten final an der Sonde befestigt werden, was einfacher klingt, als es war. Jedes Kabel, jeder Sensor und jedes Reagenzglas musste exakt sitzen, schließlich sollte in über 30 Kilometern Höhe nichts verrutschen oder technisch versagen. Zusätzlich stellte sich der Transport der Ballongasflasche als kleine Herausforderung heraus. Dieses unscheinbare, aber extrem schweres Gerät musste erst einmal sicher zur Schule gebracht werden. Parallel dazu saßen wir immer wieder zusammen, um die neuesten Flugrouten zu berechnen. Wetterdaten änderten sich ständig, und mit ihnen unsere Prognosen. Kaum hatten wir uns auf eine Route eingestellt, die Schüler*innen und Lehrer*innen der LFS informiert und uns den Tag von weiteren Terminen freigeschaufelt, war die Planung kurze Zeit später schon wieder überholt…. Besonders frustrierend war es, dass unser geplanter Flugtag gleich dreimal verschoben werden musste, jedes Mal um mehrere Tage bis Wochen. Windverhältnisse, Wetterbedingungen oder organisatorische Hürden machten uns immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Doch schließlich kam der Tag, auf den wir so lange hingearbeitet hatten.
Der Flugtag selbst begann noch ruhig, zumindest für einen kurzen Moment.
09:00. Treffen, erste Aufregung machte sich bemerkbar.
09:15. Schulhof wurde mit unserem Schullogo bemalt.
09:30. Aufbau von Tischen, Bühne, Mikrofon und Bluetoothbox.
10:30. Sonde, Fallschirm und Gasflasche aus dem Oberstufenraum holen und bereitstellen.
11:00. Letztes Mal die Flugroutenberechnung und die Feststellung: Landung wahrscheinlich kurz vor der belgischen Grenze im Wald.
11:15. Start der Vorbereitung: Technik an, Dunkelkammer befestigt, Reagenzgläser gefüllt.
11:30. Sonde mit sehr, sehr viel Klebeband gesichert.
11:45. Wetterballon ausgepackt und mit Gas befüllt.
11:50. Noch mehr Klebeband.
11:55. Noch mehr Gas.
12:00. Sonde am Fallschirm befestigen.
12:03. Weiter Gas einfüllen.
12:05. Durchsage: Alle auf den Schulhof.
12:10. Ballon wurde verschlossen und mit dem Fallschirm verbunden.
12:15. Ballon stieg langsam an der Leine auf.
12:18. Alle blickten gespannt in den Himmel.
Und dann war er weg – nur noch ein kleiner Punkt.
Und mit ihm die Anspannung, welche sich durch die letzten Tage gezogen hat.
Nach einem schnellen Abbau machten wir uns mit mehreren Autos auf den Weg in Richtung der berechneten Flugroute. In einem kleinen Dorf nahe der belgischen Grenze legten wir zunächst eine wohlverdiente Pause ein und stärkten uns mit Eis (freundlicherweise von Herrn Termaat spendiert).
Als schließlich das Signal kam, dass unsere Sonde gelandet war, ging es weiter zur deutsch-belgischen Grenze, wo unsere Forschungssonde, wie zuvor berechnet, landete. Nach kurzer Suche entdeckten wir tatsächlich den roten Fallschirm – ein Moment großer Freude. Diese wich jedoch schnell einer neuen Herausforderung: Unsere Sonde hing in den Ästen eines alten, morschen Baumes. Als wir trotz Leiter und Teleskopstange unseren Wetterballon nicht bergen konnten, übernahm Titus die Aufgabe, hinaufzuklettern und die Sonde zu bergen. Wenige Minuten später hielten wir sie tatsächlich wieder in den Händen, ein unglaubliches Gefühl.
Die Auswertung unseres Fluges hielt gute sowie schlechte Nachrichten für uns bereit:
Zu den Erfolgen zählt, dass wir mit knapp 35.618 Metern Höhe zu den Schulen gehören, die mit ihrem Wetterballon besonders hoch aufgestiegen sind. Außerdem konnte unsere Sonde Temperaturbereiche von -56.9°C bis 35.2 °C stand halten und dabei zahlreiche wertvolle Daten sammeln. Leider gab es jedoch auch eine Enttäuschung: Unsere Kameras hatten, vermutlich durch Überhitzung, sie lagen vor dem Start zu lange in der Sonne, bereits vor dem eigentlichen Flug den Geist aufgegeben. Dadurch konnten wir keine Aufnahmen vom Rand des Weltraums gewinnen.
Nichtsdestotrotz überwiegt am Ende der Erfolg. Wir haben nicht nur ein komplexes naturwissenschaftliches Projekt eigenständig umgesetzt, sondern auch umfangreiche Messdaten gesammelt und ausgewertet. Hier können Sie und könnt ihr die genauen Ergebnisse unseres Fluges im Detail nachvollziehen.






